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  Tibor Zenker über das "Kottan"-Theaterstück "Rabengasse 3a"
(2. April 2009)
 
  Regisseur - Thomas Gratzer über das "Kottan"-Theaterstück "Rabengasse 3a"
(5. April 2009)
 
  Jan Zenker über die neuen "Kottan" - Hörspiele
(14. April 2009)
 
  Reinhard Nowak über sein Engagement als "Kottan" im Rabenhof Theater
(22. April 2009)
 
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(3. Mai 2009)
 
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Interview mit Rudi Roubinek (3. Mai 2009)

"Kottan war Kult"

Im Theaterstück "Kottan ermittelt: Rabengasse 3a" übernimmt Rudi Roubinek, einem breiteren Publikum als Seyffenstein in "Wir sind Kaiser" bekannt, die Rolle des Alfred Schrammel. Wie er sich als Kottans bzw. Supermans Assistent tut und warum er mit seinem Privatauto die Staatspolizei gerammt hat, darüber haben wir mit Rudi Roubinek gesprochen.

Rudi Roubinekkottan.info: Wie haben Sie den TV-"Kottan" seinerzeit erlebt?
Rudi Roubinek: Na, ja, ich war noch ein Bub damals. Das erste, woran ich mich bezüglich "Kottan" erinnern kann, ist die Szene, als Franz Buchrieser als Kottan im Superman-Kostüm dasteht und der andere nackt ist. An Peter Vogel kann ich mich nicht erinnern, am besten habe ich die späteren Folgen mit Lukas Resetarits im Kopf. Da war ich dann im richtigen Alter und "Kottan" war auch schon Kult.


kottan.info:
War es schwierig, in die Rolle Alfred Schrammel zu schlüpfen?
Roubinek: Eigentlich nicht, denn das hat sich gewissermaßen daraus ergeben, wie Kottan mit ihm umgeht und wie die Figur gestrickt ist.

kottan.info: Ist die Konkurrenz zwischen Schauspielern so ausgeprägt wie jene zwischen Kottan und Schrammel im Stück?
Roubinek: Das weiß ich nicht. Aber der Nowak z.B., der ist ja keine Konkurrenz… - Also, bei uns im Ensemble sehe ich derartiges nicht, da finde ich alles sehr harmonisch und kollegial.
Reinhard Nowak (Zwischenruf): Ich hab ihm sogar eine Pointe überlassen!
Roubinek: Ja, genau, stimmt. Er hat mir eine Pointe geschenkt.

Stefan Fehrmann & Rudi Roubinekkottan.info: Hatten Sie schon einmal unerwünschten Kontakt mit der Polizei?
Roubinek: Ja, ich habe einmal einen Auffahrunfall verursacht. Ich war unterwegs zu einem Rendezvous mit einer hübschen jungen Dame und dementsprechend aufgeregt. Abgelenkt wie ich war, bin ich auf regennasser Fahrbahn der Staatspolizei hinten rein gescheppert, mit einem ziemlichen Karacho. Die Staatspolizei hat da gerade Alois Mock begleitet, das war so eine Art Konvoi. Die beiden Herren waren eigentlich recht nett, zwar baumlang und mit sehr kurz geschorener Frisur, und die haben mir erklärt, wenn bei einem Konvoi nicht gesichert ist, dass alle Fahrzeuge bei einer grünen Ampelphase durchkommen, dann müssen alle stehen bleiben. Sie haben also sogar zugegeben, dass sie sehr abrupt stehen geblieben sind, aber ich hätte halt trotzdem nicht reinfahren dürfen. Es war binnen zwei Minuten die Funkstreife da und die haben mich dann beamtshandelt. Aber eigentlich ist eh alles ganz gut abgegangen.

Stefan Fehrmann & Rudi Roubinekkottan.info:
Was machen Sie gegenwärtig neben dem Rabenhof-Engagement?
Roubinek: Wir produzieren gerade die dritte Staffel von "Wir sind Kaiser". Da sind noch Folgen aufzuzeichnen, Einspieler zu drehen und natürlich auch die Sendungsbücher zu schreiben, also habe ich bis Juni noch sehr gut zu tun.




© kottan.info

Interview mit Reinhard Nowak (22. April 2009)

„Meine Lieblingsfigur war immer der Schrammel“

Im Wiener Rabenhoftheater spielt Reinhard Nowak ab Mitte April 2009 die Figur des Major Kottan im Stück "Rabengasse 3a". Wir führten mit ihm ein Gespräch über seine persönlichen Bezüge zu Kottan sowie über seine Erfahrungen mit der ganz realen Polizei und Arrestzellen.

Reinhard Nowakkottan.info: Wie haben Sie "Kottan ermittelt" im Fernsehen seinerzeit erlebt?
Nowak: Ich war damals erst zwölf Jahre alt - 1976 war die Erstaustrahlung - und da habe ich die ersten Folgen noch nicht so richtig realisiert, sondern den "Kottan" erst später mitgekriegt. Wir hatten damals, glaube ich, sogar noch einen Schwarzweiß-Fernseher - den ersten Fernseher hatten wir überhaupt erst zur Mondlandung (1969) bekommen, als ich fünf Jahre alt war. Als Komödie habe ich "Kottan" erst später, mit den Folgen mit Franz Buchrieser, mitbekommen.

kottan.info: War es für Sie schwierig, die Rolle des Major Kottan zu erarbeiten?
Nowak: Na, eigentlich nicht. Ich habe mich auch nicht speziell vorbereitet - das mache ich eigentlich nie. D.h. ich arbeite nicht wochenlang beim Billa, wenn ich einen Verkäufer, oder bei einer Bank, wenn ich einen Bankangestellten spielen soll. Ich kann mich so auch hineinversetzen. Ich habe auch kein Schusstraining gemacht, weil es gibt ja Leute, die machen monatelang ein Schusstraining bei der WEGA. Aber ich glaube, das kriegt man so auch hin. Man kann sich ja sowieso nicht auf alles vorbereiten. Wie soll man denn vorgehen, wenn man einen Mörder spielt? Da kann man ja auch nicht vorher hergehen und schon mal wen umbringen…

Reinhard Nowak und Stefan Fehrmannkottan.info: Sie sind nun - vom ersten Hörspiel bis zum letzten TV-Film - der fünfte "Kottan"-Darsteller. Welcher hat Sie am meisten beeindruckt?
Nowak: Damals, als ich den "Kottan" im Fernsehen gesehen habe, habe ich Franz Buchrieser am lustigsten gefunden, denn der hatte einen sehr trockenen Schmäh. Am lustigsten war für mich aber sowieso immer die Figur des Schrammel, den C. A. Tichy so trocken und herrlich "deppert" gespielt hat - da konnte ich am meisten lachen, das war meine Lieblingsfigur.

kottan.info: Hatten Sie schon einmal unerwünschten Kontakt mit der Polizei?
Nowak: Na ja, früher schon, wegen Delikten mit dem Moped oder mit dem Auto. Einmal habe ich sogar eine Ersatzfreiheitsstrafe angetreten wegen 500 Schilling, die ich nicht zahlen wollte. Diese Geldstrafe habe ich damals nicht eingesehen, nur weil da irgendwas mit der Ab- und Anmeldung nicht geklappt hat, und da bin ich eine Nacht im Häfen gesessen. Das war ziemlich ungut, denn ich bin echt schlecht behandelt worden: Ich konnte nicht auf die Toilette gehen in der Nacht, denn wenn man geläutet hat, ist einfach keiner gekommen. Meine Tasche, die ich mit Büchern gefüllt hatte, um mir die Zeit zu vertreiben, haben sie mir natürlich weggenommen. Ebenso meine Brille, d.h. ich hätte sowieso nicht lesen können, und um 10 Uhr haben sie das Licht abgeschaltet. Reinhard Nowak und Stefan FehrmannDann bin ich die ganze Zeit einfach so auf der Pritsche gelegen und das war schon hart. - Die späteren Kontakte mit der Polizei waren dann dank "Kaisermühlen Blues" eigentlich immer positiv. Diese Serie war bei den Polizisten offenbar beliebt und so habe ich mir schon ein paar Strafen erspart. Das wird aber jetzt wahrscheinlich wieder anders werden, denn so wie ich den Kottan spiele, werden sie mich bei der Polizei vielleicht wieder weniger mögen … den Bonus habe ich wohl verspielt, in Zukunft werde ich wohl auch wieder Strafmandate zahlen.

kottan.info: Welche Projekte habe Sie neben dem "Kottan" aktuell am Laufen?

Nowak: Gegenwärtig bin ich im Fernsehen zu sehen, in den "Lottosiegern". Außerdem spiele ich noch mein Kabarettprogramm "Angst", bereite aber schon ein neues Programm vor, das zu Beginn des kommenden Jahres Premiere haben wird. Und außerdem hoffe ich, dass ich endlich einmal die Zeit finde, um auf eine Runde Golf gehen zu können.
© kottan.info

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Interview mit Jan Zenker (14. April 2009)

„Mein Vater hätte Kottan lieber selbst umgebracht“

Am 15. April 2009 erscheinen sechs neue „Kottan“-Hörspiele, denen jene Originaldrehbücher Helmut Zenkers aus dem Jahr 1984 zugrunde liegen, die der ORF damals überraschend - und für immer - auf Eis gelegt hat. Jan Zenker zeichnet dafür hauptverantwortlich, dass diese Episoden von „Kottan ermittelt“ nun doch noch das Licht der Öffentlichkeit erreicht haben. Wir haben mit ihm darüber gesprochen...

Jan Zenkerkottan.info: Wie kam es zur Produktion der „Kottan“-Hörspielen?
Jan Zenker: Die Angelegenheit wurde eigentlich durch EuroVideo ins Rollen gebracht, wo im Herbst 2007 sehr erfolgreich die gesamte Serie „Kottan ermittelt“ auf zwei DVD-Boxes veröffentlicht wurde. Durch die Hintergrundrecherche zu der Edition ist man auf die ungedrehten, letzten sechs „Kottan“-Folgen Nummer 20-25 gestoßen, und diese sollten als Zusatzmaterial in Form von Hörbüchern der „Kottan“-Serie auf DVD beiliegen.

k.i.: Aber Hörbücher sind es nicht geworden...
Zenker: Nein, nach Rücksprache mit meiner Familie und mit Lukas Resetarits, der als Sprecher der Hörbücher vorgesehen war, kamen wir zum Schluss, dass man für ein Hörbuch ein Buch als Prosatext benötigt - und kein Drehbuch mit Dialogen. Von der neu geborenen Idee unsererseits, aus den Filmdrehbüchern stattdessen Hörspiele zu machen, war EuroVideo begeistert, und so erstellte mein Team relativ schnell ein Konzept.

k.i.: Handelt es sich bei den Hörspielen nun um das wahre Ende von „Kottan“, so wie es auf der Hörspiel-Box steht?
Zenker: Natürlich. 1984 liefen die Vorbereitungen für die TV-Folgen 20-25. Doch wenige Tage vor Drehbeginn beschloss Gerd Bacher, der damalige Generalintendant des ORF, Kottan hinterrücks zu meucheln. Mein Vater hätte Kottan lieber selbst umgebracht und das wäre mit der letzten Staffel ohnedies passiert, mit Folge 25 wäre Kottan sowieso 1984/85 vorbei gewesen. Einen würdigen Abschluss mit dem Ende, das sich Helmut Zenker vorgestellt hat, gibt es jetzt zumindest in Hörspielform.

k.i.: Welche Schauspieler konnten zur Mitarbeit an den Hörspielen bewogen werden?

Zenker: Da es wie gesagt ein würdiger Abschluss der Serie sein sollte, habe ich versucht, möglichst viele Darsteller der Originalserie für das Projekt zu gewinnen, was auch gelungen ist. Die Besetzung liest sich nun wie ein „Who’s who“ der „Kottan“-Serie: Lukas Resetarits, Franz Buchrieser, Bibiana Zeller, Chris Lohner, Franz Suhrada, Kurt Weinzierl, Veronika Faber und Heribert Sasse.

Jan Zenkerk.i.: Kurt Weinzierl wäre wieder als Polizeipräsident Heribert Pilch vorgesehen gewesen, ist aber leider kurz vor den Aufnahmen verstorben...
Zenker: Ja, er hatte sich schon gefreut, wieder in die Rolle des Polizeipräsidenten Pilch zu schlüpfen. Ich muss mich an dieser Stelle auch bei seiner Lebensgefährtin Veronika Faber und seiner Tochter Annabel bedanken, die trotz des schweren Verlustes am Entstehen dieser Hörspiele mitgewirkt haben.

k.i.: Wer spricht nun die Rolle des Polizeipräsidenten?

Zenker: Mat Schuh ist eingesprungen und hat dem Polizeipräsidenten eine ganz eigene, tolle Note gegeben. Ich war wirklich beeindruckt, was er alles mit seiner Stimme anstellen kann.

k.i.: Was gibt es noch über die Besetzung zu sagen?

Zenker: Dass wir auch den großartigen Wolfgang Pampel für das Projekt gewinnen konnten, der über eine der wohl bekanntesten Stimmen des deutschsprachigen Raums verfügt. Diese lieh er als Synchronsprecher u.a. den Schauspielern Harrison Ford („Indiana Jones“) und Larry Hagman („J. R. Ewing“ aus „Dallas“). Außerdem ist auch „Kottan“-Regisseur Peter Patzak dabei, nämlich als Erzähler.

k.i.: Sie selbst waren nicht nur für die Bearbeitung der Drehbücher zuständig, sondern fungierten auch als Produzent und Regisseur.
Zenker: Bei der Bearbeitung habe ich größten Wert darauf gelegt, die Drehbücher möglichst authentisch in die Hörspiel-Form zu übertragen, damit sich der Kreis für alle „Kottan“-Fans schließt. Die Regie habe ich übernommen, nachdem der vorgesehene Regisseur Paul Zagler, der in Fachkreisen in Österreich und Deutschland hoch angesehen war, am Tag nach einer Aufnahme unerwartet im Alter von erst 49 Jahren starb. Ich habe in den letzten Jahren nicht nur viel mit ihm zusammengearbeitet, sondern er war auch ein wertvoller Freund.

k.i.: Wann und wo kann man die Hörspiele erwerben?

Zenker: Die Hörspiele werden am 15. April zeitgleich mit der Premiere des Theaterstücks „Kottan ermittelt: Rabengasse 3a“ im Rabenhof Theater präsentiert. Dort kann man sie ab diesem Datum in einer Hörspiel-Box mit einigem Bonusmaterial auch erwerben. Ab 14. Mai sollte man sie dann im gut sortierten Fachhandel überall finden.

Jan Zenkerk.i.: Welches Bonusmaterial gibt es?
Zenker: Wir haben einige Schmankerln hineingepackt. Zum Beispiel haben wir die Telefonprotokolle der ORF-Beschwerdehotline, die zu Beginn der „Kottan“-Serie regelmäßig heiß lief, mit dem Wiener Landespolizeikommandanten Generalmajor Karl Mahrer aufgenommen. Dieser entpuppte sich als wahrer Entertainer und gibt die empörten Anrufe wirklich köstlich wieder.

k.i.: Die Kult-Serie „Kottan ermittelt“ erlebt 2009 gleich eine Vielfachauferstehung: Theaterstück, Hörspiele - und immer öfter hört man von einem Kinofilm. Was können Sie uns dazu sagen?
Zenker: Dass wir intensiv daran arbeiten - aber noch ist die Finanzierung nicht abgeschlossen. Es schaut gut aus, aber die Entscheidung wird wahrscheinlich erst in den nächsten beiden Wochen fallen.
© kottan.info

Interview mit Thomas Gratzer (5. April 2009)

"Warum musste man drei Jahrzehnte auf die ‚Kottan'-Bühnenversion warten?"

Dass am 15. April 2009 in Wien eine Bühnenversion von "Kottan ermittelt" Premiere hat, ist im doppelten Sinn ein Verdienst Thomas Gratzers. Einerseits initiierte er das Projekt in seiner Eigenschaft als Direktor des Rabenhof Theaters; andererseits zeichnet er als Regisseur des Stücks "Rabengasse 3a" nun auch ganz unmittelbar für die Inszenierung veranwortlich. Wir haben Thomas Gratzer dazu befragt…

Thomas Gratzerkottan.info: Ab 15. April zeigen Sie im Rabenhof Theater eine Bühnenversion von "Kottan ermittelt".Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Thomas Gratzer: Die Figur Kottan ist ja eigentlich erstmalig (noch unter anderem Namen) in einem Volksstück von Helmut Zenker am Volkstheater Mitte der Siebzigerjahre aufgetaucht. Und da diese Figur und das Setting durchaus auch volksstückartigen Charakter haben, lag es für mich nahe, das nicht mehr wirklich zeitgemäße Genre "Volksstück" wiederzubeleben und Kottan endlich auf die Bühne zu bringen, wo er ja auch hingehört. Zusätzlich ist ein weiterer Ansatz, Helmut Zenker durchaus in eine Reihe mit den großen Bühnenautoren dieses Genres zu stellen, das geht von Turrini über Kroetz bis hin zu Ödön von Horvath.

k.i.: Ist Kottan 26 Jahre nach Ende seiner Fernsehkarriere überhaupt noch eine zeitgemäße Figur? Wie kann man ihn ins 21. Jahrhundert holen?

Gratzer: Gerade die Dramatisierung der ersten Folge, "Hartlgasse 16a", bietet sich für eine zeitgemäße Bühnenadaption an, zumal das Thema "Ausländerfeindlichkeit" eigentlich noch stärker geworden ist als damals zur Entstehungszeit, da mittlerweile ja auch die Politik, auf unappetitliche Weise, damit auf Stimmenfang geht. Es hat sich thematisch nichts geändert und somit ist Kottan von zeitloser Aktualität. Zusätzlich ist auch der karrieretechnische Infight des Polizeiapparates öffentlich in den letzten Jahren ein starkes Thema gewesen - die tragische Figur Horngacher etwa scheint ja durchaus Pilchsche Züge zu tragen - und auch dies ist schon im ersten Kottan angedeutet.

k.i.: Wie gelingt es, sowohl "ältere" Kottan-Fans anzusprechen als auch ein junges Publikum, das die TV-Serie vielleicht nur vom Hören-Sagen kennt?

Gratzer: Dies soll einerseits durch die Besetzung gelingen - "Starmania-Star meets TV-Beauty" -, andererseits aber auch durch den Ansatz "Na wie wird das funktionieren?". Ein klassischer Kottan-Fan ist ja geradezu gezwungen, seinen Fetisch auf Bühnentauglichkeit zu überprüfen - so hoffe ich zumindest.

k.i.: Wie schwierig oder belastend ist es, mit seiner Inszenierung einer Wiener Kultfigur gerecht werden zu müssen?
Gratzer: Man muss sich unbedingt vom großen Vorbild befreien, sonst ist man gelähmt. Was Zenker und auch Patzak damals gemacht haben, ragt wie ein Monolith aus der österreichischen Fernsehgeschichte und jeder, der damals jung und halbwegs lässig unterwegs war, konnte sich mit diesem Fernsehformat identifizieren. Allerdings erinnert in unserer Version keine einzige Figur, schon vom Typ her, nicht an die großen Vorbilder, obschon ich beim Buch auf "Werktreue" achte. Eine Hilfe ist aber sicher auch, dass es auch im Original drei Kottan-Darsteller gab, die zwar höchst unterschiedlich, aber doch jeder für sich äußerst "genial" die Figur Kottan interpretiert haben. Wichtig war für mich, dass niemand aus der alten Garde dabei ist, so sehr ich alle damals Beteiligten schätze, um unvoreingenommen an die Sache ranzugehen. Man muss den Kottan fürs Jahr 2009 neu erfinden und ich denke, das wird gelingen.

Thomas Gratzerk.i.: Die Rollen wurden interessant besetzt. Es spielen erfahrene Leute neben Menschen, die man nicht unbedingt auf einer Theaterbühne erwartet hätte. Von welchen Überlegungen haben Sie sich bei der Besetzung leiten lassen?
Gratzer: Das Rabenhof Theater steht generell für einen unkonventionellen Zugang zur Kunstform Theater, dahingehend ist es für uns immer wichtig gewesen "schräge" Besetzungsideen einfließen zu lassen und nicht nur klassische Schauspieler zu engagieren. Robert Palfrader hat etwa im Rabenhof debütiert und nächste Saison spielt er im Volkstheater den "Liliom", nachdem ihn Direktor Michael Schottenberg im Rabenhof als Schauspieler entdeckt hat. Vor Palfraders Rabenhof-Engagement wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, ihn auf einer Theaterbühne zu besetzen. Ebenso verhält es sich mit Oliver Baier, der auch bei mir angefangen hat, die ersten Theaterrollen zu spielen und siehe da: ab Herbst spielt er als Schauspieler im Theater an der Josefstadt.

k.i.: Was können Sie uns als Regisseur über den Probenverlauf verraten?
Gratzer: Spannende Konstellationen, viel Spaß bei den Proben und durchaus auch Neuentdeckungen fürs österreichische Bühnengeschehen. Und wenn der Zuschauer nur halb soviel Spaß hat wie wir, haben wir schon gewonnen.

k.i.: Welche Rolle spielt die Musik in Ihrer Inszenierung?

Gratzer: Mit dem Engagement der Elektronikformation "KILO" haben wir den Schritt in Richtung Avantgarde gemacht, diese Herren treten unter anderem auch beim renommierten "Wien modern"-Festival auf. Wichtig war für mich aber, den Charakter des Original-Soundtracks einzubeziehen, und damit kommt auch der von mir hochverehrte Georg Danzer ins Spiel, der von KILO äußerst sensibel ge-remixt wird.

Theater Rabenhofk.i.: Das Rabenhof Theater gilt im Allgemeinen als eine Bühne für kritische, progressiv-alternative bis regelrecht linke Produktionen. Kann man das auch von Ihrem "Kottan" sagen?
Gratzer: Das Rabenhof Theater gilt im Allgemeinen als Alternativ-Mainstream-Hütte, in der Künstler, Projekte und Produktionen rauskommen, die im klassisch-konventionell-akademischen Kulturbetrieb keine Chance kriegen, um dann, wenn es funktioniert (was erfreulicherweise sehr oft der Fall ist), sofort von jenem Kulturbetrieb aufgesogen zu werden. In diesem Sinne ist auch "Kottan " im Rabenhof zu verstehen, denn es stellt sich schon die Frage, warum man in Wien drei Jahrzehnte auf die Bühnenversion von "Kottan ermittelt" warten musste?


© kottan.info
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Interview mit Tibor Zenker (2. April 2009)

„Kottan hätte gerne in der Causa BAWAG ermittelt“

Österreichs kultigster Polizist ermittelt endlich wieder. Am 15. April 2009 hat am Wiener Rabenhoftheater das Stück „Kottan ermittelt: Rabengasse 3a“ Premiere. Die Website www.kottan.info führte aus diesem Anlass mit dem Autor Tibor Zenker ein Gespräch über seinen „Kottan“-Entwurf, Probleme der Polizeiarbeit, zeitloses Wienertum, Opiumhöhlen fürs Volk und die Wirtschaftskrise.

Tibor Zenker kottan.info: Am 15. April gibt „Kottan“ sein Debüt auf der Theaterbühne. Wie ist es dazu gekommen?
Tibor Zenker: Die Initiative ging von Rabenhof-Direktor Thomas Gratzer aus. Vor etwa zweieinhalb Jahren hat sich dieser bei uns, d.h. bei meinem Bruder Jan und mir, gemeldet und uns zu einem Gespräch eingeladen. Für das Projekt „Kottan auf die Theaterbühne“ konnten wir uns grundsätzlich alle sehr schnell begeistern, die Entwicklung hat dann aber doch einiges an Zeit verschlungen. Wir haben mehrere Ideen, Ansätze, Konzepte und Entwicklungsschritte durchlaufen und verworfen, weil wir sie als nicht gut genug oder als undurchführbar ansahen, um dann letztlich bei einem Konzept zu landen, das im Prinzip ohnehin von vornherein auf der Hand gelegen wäre. Ich bin aber sehr froh, dass wir diese produktive Entwicklung durchgemacht haben und nun auf einer konzeptionellen Basis das Stück entwickelt haben, die der Figur Kottan und ihrem Erfinder Helmut Zenker umfassend gerecht wird.

k.i.: Welches Konzept war das?
Zenker: Wir haben uns zu Beginn die Frage gestellt, wie es um Kottan 26 Jahre nach seinem letzten Fall im Fernsehen bestellt ist, wie er ausschaut. Wie hat er sich weiterentwickelt? Das war nicht leicht zu beantworten, denn die „Kottan“-Serie hat 1976-1983 selbst schon verschiedene Entwicklungsetappen gezeigt, vom sozialkritischen Realismus über die antiautoritäre Satire bis hin zur absurd-surrealen, teilweise klamaukartigen Komödie mit Gesangseinlagen. Dementsprechend hat sich auch die „Kottan“-Figur verändert, vom proletarischen Antihelden, der gegen das allgegenwärtige Wien-Klischee in Stellung gebracht wird, zum cool-sonnigen Schmähführer und Bandleader, was aber durchaus dem Übergang von den 70er Jahren in die 80er entsprach. Wir waren uns zunächst nicht im Klaren, bei welchem Kottan wir ansetzen sollten, und versteiften uns dann auf den Versuch, die letzte Entwicklungsetappe weiterzuspinnen. Das war nicht nur schwierig und kontroversiell, sondern letztlich auch immer wieder im Ergebnis unbefriedigend. Deshalb sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht viel richtiger wäre, Kottan zu seinen eigentlichen Wurzeln zurückzuführen und von dieser Form ausgehend ins 21. Jahrhundert zu holen, d.h. auf gegebener Grundlage neu zu finden.

k.i.: Wie kann man sich das vorstellen? Inwiefern müssen wir 2009, 26 Jahre nach dem letzten Fernsehfilm, nun mit einem „erneuerten“ Kottan rechnen?
Zenker: Wir haben „Kottan“ nicht aus dem Nirwana neu erfunden – das wäre auch völlig vermessen gewesen –, sondern wir haben seine ursprüngliche Form, seinen Charakterrahmen, sein soziales Milieu, sein Denken und Handeln angenommen und dafür gegenwärtige Anknüpfpunkte gesucht. Wenn dieser Ausgangs-„Kottan“ in Interaktion mit gegenwärtigen Gegebenheiten tritt, dann verändert das verschiedene vorliegende Facetten, mildert sie ab oder verstärkt sie, fügt scheinbar neue hinzu, die nur latent vorhanden waren. Im Ergebnis ist unser erneuerter Kottan im Jahr 2009 nun z.B. geprägt von übersteigertem und fast schon pathologischem Konkurrenzdenken, wie es uns in den letzten 20 Jahren der neoliberale Kapitalismus, der gerade den Bach runter geht, eingetrichtert hat, von einer institutionalisierten Ausländerfeindlichkeit und einem Rassismus, wie sie erst Haider und Strache fast flächendeckend wieder salonfähig gemacht haben, von einem Sexismus, der nicht mehr bloß patriarchales Relikt ist, sondern neuer Perspektivlosigkeit entspringt, sowie von neuen Ängsten, deren Instrumentalisierung Einschüchterungselemente autoritärer Politik sind, wie z.B. Islamismus und Terrorismus, Kinderpornografie, informationsgesellschaftliche Allgegenwart etc. – Unser „neuer“ Kottan ist innerlich gehetzter und bedrängter, äußerlich härter und rücksichtsloser. Seine Indifferenz und sein Nihilismus sind keine tauglichen Mittel mehr gegen die Zwänge der Gegenwart. In diesem Sinn ist Kottan auch ein Loser, nicht nur ein „Modernisierungsverweigerer“, sondern ein „Modernisierungsverlierer“, wie man im Allgemeinen sagen würde – in Wirklichkeit ein Opfer neoliberal-globalisierter Durchdringung der Gesellschaft. Diesem Faktum kann man progressiv-emanzipatorisch begegnen oder reaktionär-faschistoid; Kottan tut letzteres.

k.i.: Das Stück „Rabengasse 3a“ orientiert sich namentlich offensichtlich an der allerersten „Kottan“-Geschichte und am ersten Film „Hartlgasse 16a“ aus dem Jahr 1976. Ist das auch inhaltlich der Fall?
Zenker: Wir haben uns tatsächlich die „Hartlgasse“ als Ausgangsbasis vorgelegt, nicht aus Bequemlichkeit, sondern der Authentizität wegen, um auch die Distanz zu Helmut Zenkers Originalschaffen gering zu halten. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Geschichte einfach nur aus dem Brigittenauer Zinshaus in den Erdberger Gemeindebau verlegt haben. Ein Grundprinzip von „Kottan ermittelt“ war immer die Unberechenbarkeit, war immer der Versuch, Erwartungshaltungen zuerst aufzubauen und zu wecken – und dann zu enttäuschen. Das gilt auch für die „Rabengasse“. Wir haben zwar den zugrunde liegenden Mordfall, wie er auch in der „Hartlgasse“ geschieht, übernommen, aber in weiterer Folge ist für einige Überraschungen, zusätzliche Wendungen und nicht zuletzt ein neues Ende gesorgt. Wer die „Hartlgasse“ kennt, sollte sich im Theatersessel im Rabenhof also besser nicht zu sicher fühlen. Und selbstredend treten natürlich veränderte und andere Charaktere auf, in einem anderen Umfeld, Unzeitgemäßes in Form und Inhalt wurde verworfen, aktuelle Realitätsbezüge wurden geschaffen. Wir sind aber nicht von Grund auf sadistisch, d.h. es gibt auch den einen oder anderen Fixpunkt als Anker für „Kottan“-Kenner.

k.i.: Gibt es einen renitenten Kaffeeautomaten? Abgefahrene Autotüren?
Zenker: Beides nein. In der Küche des Rabenhoftheaters führe ich seit Monaten ganz real meinen persönlichen Kampf mit der Kaffeemaschine – das genügt. Und bei jeder Aufführung ein Auto zu ramponieren, wäre zwar reizvoll gewesen, erwies sich jedoch als zu kostspielig. Da hilft auch die Verschrottungsprämie nichts.

Tibor Zenker k.i.: In der Ankündigung des Rabenhoftheaters ist von einer „zeitlosen Gültigkeit“ der Kottan-Figur die Rede. Ist Kottan ein klassischer, ein typischer Wiener?
Zenker: Kottan ist als eine wahrhafte Figur durchaus ein Wiener Prototyp. Der typische Wiener spielt in aller Regel nämlich nicht Violine in einem Klassikorchester, hat keinen Fiaker in der Garage stehen und geht nicht auf den Opernball. Die Wiener in herkömmlicher Literatur, in den Medien und in Touristenfoldern waren früher – und sind es oft immer noch – lediglich Zerrbilder aus dem alten Kakanien, die mit dickem Zuckerguss und ausreichend Grünem Veltliner die Realität verdecken sollen. Kottan repräsentiert demgegenüber denjenigen Wiener, den man tatsächlich, im ganz wirklich echten Leben auf der Straße, bei der Arbeit, in der Freizeit, beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln antrifft. Er ist kein Antiklischee, das alle dem Standard-Klischee unterstellten positiven Eigenschaften ins Gegenteil verkehrt und somit einen genauso unwahren negativen Gegenentwurf bloß gewendeter Klischeehaftigkeit darstellt, sondern er stellt angenäherte Normalität dar. Er ist als Mensch unperfekt, ewig unzufrieden, er hat seine Schwächen und Unzulänglichkeiten, er ist mitunter ein Querulant, manchmal sogar asozial. Er ist integraler Bestandteil oder wenigstens Spiegelbild der einfachen, normalen Bevölkerung Wiens, aus dem Gemeindebau, aus der Vorstadt. In diesem Bereich und in diesem sozialen Milieu, wo natürlich in jede Richtung Nuancen bestehen, ist Kottan als Figur angesiedelt, da kommt er her und dort wird er in Szene gesetzt. Nicht zu dem Zweck, diese Menschen zu desavouieren, sondern um sie in ihren Bedingungen und Begebenheiten, in ihrem Sein zu zeigen, wodurch ihr Denken, Fühlen, Handeln und Bewusstsein bestimmt sind. Nur allein dieser Blick lässt die Erkenntnis über tatsächliche Unzulänglichkeiten in der Gesellschaft zu, die ja auch nicht aus dem Nichts entstehen. Kottan ist nicht gerade das, was gerne gesehen wird, aber das, was gezeigt werden muss. Und in diesem Sinne ist Kottan nicht nur ein zeitloser Wiener, er ist ein zeitloser Normalbürger, der sonst – wenn sich die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten des Landes in den Vordergrund drängen – bloß als Kulissenschieber auftreten darf. Aber diese Eliten sind eben nur eine potemkinsche Gesellschaftsillusion, dahinter ist es mit der Wiener Gemütlichkeit, Herzlichkeit und Harmonie nicht weit her. Das wollen wir zeigen, darum geht es. Und in genau diesem Sinn, im Horvathschen Sinn, ist unser Kottan im Rabenhof ein Volksstück, also, um mit Alfred Polgar zu sprechen, zugleich ein Volksstück und die – aufdeckende, entlarvende – Parodie dazu. – Ja, Major Kottan ist im Kern seines Seins und Bewusstseins der zeitlose „echte Wiener“ unserer Epoche, und zwar nicht in der Comic-haften Variante eines Mundl Sackbauer. Oberinspektor Marek war dagegen die überkommene Kunstfigur eines ständig beförderten bürgerlichen Wunschdenkens, in dessen Sinne eine etablierte, klassenneutralisierte, staatstragende und möglichst monopolisierte Kultur- und Medienindustrie sowie vor allem ein harmonisierter und seelenloser Unterhaltungsbetrieb eine Opiumhöhle fürs Volk schaffen sollen. Was das Krimi-Genre betrifft, ist Kottan da 1976 erstmals ausgebrochen, aber „Kommissar Rex“ und andere haben uns wieder zurückgeführt.

k.i.: Kottan ist auch ein besonderer Ermittlertyp…
Zenker: Natürlich, bezüglich des Ermittlers lancierte „Kottan ermittelt“ eine weitgehend neue Herangehensweise, hier markiert Kottan einen neuen Archetyp. Hier ermittelt nicht mehr der intellektuelle und raffinierte Oberinspektor, der Herr Hofrat mit klischeehafter Wiener Galanterie, sondern ein authentischer, in seiner Herkunft proletarischer und entsprechend problembehafteter „Kiberer“, der nicht beansprucht, staatstragender polizeilicher Lehr- und Schulmeister zu sein, der eben das zuvor beschriebene Milieu der „kleinen Leute“ repräsentiert, seine Schwächen hat und – obwohl „Staatsdiener“ – es mit als Schikanen empfundenen Gesetzen nicht immer so genau nimmt. Und er weiß auch um seine eigene Unzulänglichkeit innerhalb eines Systems, das ebenfalls unzulänglich ist – eben deswegen ist Kottan auch zutiefst antiautoritär, verfügt aber auch selbst nur über eine sehr brüchige Scheinautorität. Damit war Kottan seinerzeit ein klarer Gegenentwurf zur gängigen Darstellung des charakterlich faltenfreien und methodisch perfekten Ermittlers, zu Fritz Eckhardt als „Marek“ oder Horst Tappert als „Derrick“. Das hat in der deutschsprachigen Krimilandschaft Spuren hinterlassen, denn heute gibt es in jedem x-beliebigen „Tatort“-Team ein Mitglied, das aus der Reihe tanzt, gesellschaftlich nicht funktioniert, einfach kaputt ist. Das ist aber nur die Oberflächenvariante. Etwas tiefer betrachtet bewegen sich Kottans tatsächliche Seelenverwandte ausschließlich in Wien – oder von Wien aus –, diesbezüglich würde ich vor allem Wolf Haas’ „Brenner“, in den Filmen von Josef Hader dargestellt, nennen, mit Abstrichen auch Ernst Hinterbergers „Trautmann“. Für diese Figuren hat sicher der frühe Kottan ein bisschen den Weg bereitet. Aber auch das Skurrile hat natürlich „Kottan ermittelt“ ins Krimi-Genre gebracht und auch das wirkt nach, aktuell fällt mir diesbezüglich das „Tatort“-Team aus Münster ein. Anzumerken ist noch, der Vollständigkeit halber, dass auch Kottan nicht vom Himmel gefallen ist, sondern er hat mit Helmut Qualtingers „Radosch“ einen Vorgänger, der schon einiges antizipiert hat, wenngleich in der kleinbürgerlichen Herkunftsvariante.

Tibor Zenker k.i.: Welchen Blick auf Polizei, Staatsgewalt oder Politik lässt „Kottan“ zu? Alles nur Parodie?
Zenker: Ein meines Erachtens gravierendes Missverständnis besteht darin, „Kottan ermittelt“ als bloße Polizei-Parodie zu verstehen. Heutzutage wäre es ohnedies müßig, Witze über die Wiener Polizei zu machen, denn die Wirklichkeit mit den Herren Horngacher, Geiger etc. kann sowieso keinerlei Fiktion toppen. Andererseits wäre es auch verfehlt, denn die ganz realen Amtshandlungen der österreichischen Exekutive und die Handlungsdirektiven des Innenministeriums hinterlassen alle paar Wochen tote Asylwerber, misshandelte Immigranten, erniedrigte Frauen, menschenrechtsfreie Bürger, rassistische Hetze und Kinder in Schubhaft. Das kann man und muss man sogar thematisieren – und wir tun es auch in unserem Stück –, aber mit diesen Dingen ist eben nicht im „Police Academy“-Stil zu spaßen, denn dafür sind sie zu gravierend und zu ernst. – Aber zurück zu „Kottan“. Wenn „Kottan“ überhaupt eine Parodie oder Persiflage ist, dann, wie gesagt, gewiss nicht unmittelbar auf die Polizeiarbeit. Parodiert wurde vielmehr der gängige Typus ihrer idealisierten öffentlichen Darstellung, d.h. nicht zuletzt des Kriminalfilms, wie ihn eben „Marek“ oder „Derrick“ verkörperten. „Kottan“ ist also vorrangig auch gewiss keine Polizeikritik – das wäre auch banal –, sondern Kultur-, Medien- und vor allem Gesellschaftskritik, Sozialkritik und somit allem „Schmäh“ zum Trotz eigentlich eine ernste Angelegenheit. Und das hat dann natürlich auch etwas mit dem Staat, seiner Verfasstheit, der Staatsmacht und Staatsgewalt zu tun, also denn doch schon wiederum auch mit der Polizei und ihrer Arbeit. Und natürlich mit allem, was an Interessen mitunter dahinter steht, etwa das wirtschaftskriminelle Dreieck von Politik, Ökonomie und organisierter Kriminalität. Kottan ist ja ewig unzufrieden damit – und deswegen als Ermittler zumeist auch ziemlich wenig engagiert –, dass er immer nur unbedeutende Fälle, Morde aus niederen Motiven, zu bearbeiten hat. Hingegen hätte Kottan sicher sehr gerne in der Causa BAWAG, Eurofighter oder Meinl ermittelt, wo es, so Kottan, noch „Kriminelle von Format“ gibt. Da passt Kottan zu Peter Sodann, ehemals Kommissar Ehrlicher aus dem Leipziger „Tatort“-Team: Sodann meinte, als er ankündigte, für die Linke als deutscher Bundespräsident zu kandidieren, als realer Polizist hätte er mit Vergnügen den nicht nur moralisch fragwürdigen Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann verhaftet – Kottan gewiss auch, wenngleich nicht aus jenen finanzkapitalismuskritischen Gründen, die für Sodann ausschlaggebend sind, sondern aus oberflächlicheren Motiven.

k.i.: Was würde Kottan zur Wirtschaftskrise sagen?

Zenker: Das kann ich ziemlich genau wiedergeben: „Oarsch!“, sagt er im Rabenhof-Stück. Tatsächlich spielt die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise in unserem Stück eine Rolle, in mehrfacher Hinsicht. Kottan selbst ist natürlich ein Opfer der Krise, das schnell bemerkt, dass die kleinen Leute von den Banken über den Tisch gezogen werden und die G’stopften es sich richten – wie in der Wirklichkeit werden die Krisenverluste sozialisiert (auch zulasten Kottans), die Profite, die es immer noch gibt, bleiben privatisiert. Als Individualist spürt Kottan freilich seine Machtlosigkeit dem System gegenüber, er hat keinerlei Ansatzpunkt, sich erfolgreich zu wehren. Das geht natürlich nur kollektiv, von unten organisiert und solidarisch, gegen die Banken und Konzerne und die sie bedienende Politik. Für Kottan gibt es diese Einsicht nicht, er steht der Krise hilflos gegenüber. In der wirklichen Welt wird dies bei den Menschen hoffentlich nicht mehr lange der Fall sein, denn dass der Kapitalismus keine rosige Zukunft hat und bieten kann, dessen ist sich wohl sogar die Wirtschaftskammer schon bewusst geworden.

k.i.: Welche Zukunft hat Kottan selbst?
Zenker: Kottans Zukunft bleibt so, wie sie bisher war: offen. Verschiedene Projekte sind angedacht oder in Entwicklung. Aber ich bitte um Verständnis, dass ich zu laufenden Ermittlungen nichts Konkretes sagen kann.

© kottan.info

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